Am 26.04. kommt die neue Platte des Johnny Mauser. Auf dem Pre-Release-Gig am Record Store Day im Black Ferry hatte ich aber schon die Gelegenheit, mir die CD zu kaufen. Grund genug, das Ding mal genauer zu betrachten…

kaz

Das Album beinhaltet 12 Songs, einen Bonus Track und einen Skit von Spion Y.

  • Von Spion Y (und DJ Profile) stammt auch das Intro
  • Der lyrische Beginn des Albums findet dann auf Ich kann euch sehen statt. Auf dem Song reflektiert Johnny seine Position als Rapper innerhalb der Hip Hop-Szene und erzählt und distanziert sich von Mackertum und „homophoben Trotteln“. Richtig so. Die Hook macht das ganze sogar zu nem Ohrwurmsong.
  • Noch politischer wirds dann auf Die Mauer. Da werden alte Schlachtrufe einfach umgedreht und in der Hook „Wir sind die Mauer, das Volk muss weg!“ skandiert. Der Song thematisiert und kritisiert deutsche Verhältnisse, und Patriotismus.

NSU und VS, das ist Realität

Letzter Song Halt dein Mund, es ist eh bald zu spät

  • Nun folgt Dein eigener Film, ein eher persönlicher Song, der die Schwierigkeit des schönen Lebens im Kapitalismus thematisiert. Netter, ruhiger Song.
  • Auch Klein ist ein persönlicher Song, der sich mit Herausforderungen im Leben auseinandersetzt. Johnny Mauser, fast 30 Jahre alt und fast 2 Meter groß, fühlt sich auf einmal doch nicht mehr so „groß“…
  • Als kleine Verschnaufpause zwischendurch gibt es einen netten Skit, gemischt von Spion Y.
  • Mein Lieblingstrack auf dem Album ist mit Abstand St. Pauli bis 0711 feat. Peer Plex. Die beiden rappen über einen Nviemotho-Beat über ihre Besuche in Hamburg bzw. Stuttgart. Peer Plex war mir bisher nur von Gastauftritten auf Mauser-Alben bekannt (CheckCheck) bekannt und hat mir da nicht sonderlich gefallen, so dass ich jetzt sehr positiv überrascht von seinem Part war.

„Mr. Plex“ steht frisch getaggt auf einer Kieztoilette,

während ich paar Meter weiter zugeballert Freestyle rappe

Stuttgart, 21 Stunden brauch ich für den Rückweg

St. Pauli, bunte Lichter, digga, ich bin glücklich!

  • Der Track Ablenkungsmanöver hat kein wirkliches Thema, einfach ein paar Zeilen zum Besten gegeben und kleine Seitenhiebe z.B. gegen das VBT und Fleischesser rausgehauen. Diese Inhaltsleere fällt aber vor allem in der Hook auf, da bin ich vom selbsternannten „Schnapsgetränkzerstörer“ einfach besseres gewohnt 😉
  • Die Gewohnheit der Macht macht genau diese zum Thema, genau so wie die „Macht der Gewohnheit“. Johnny Mauser kritisiert die herrschenden Zustände. Mir fehlt dabei leider ein Fazit oder eine Konsequenz aus den beschriebenen Situationen. Trotzdem cooler Song.
  • Ein inhaltlich sehr starker Song ist That’s the way we hate it feat. Refpolk. Dieser setzt sich mit Grauzonenmusik auseinander, die ja spätestens seit Frei.Wild auch in den Massenmedien angekommen ist. Als weiteres Beispiel wird hier u.a. Dissziplin genannt. Abgerundet wird der Song von Refpolk (wunderbares Album Über mich hinaus übrigens out now!), der in seinem starken Part über seine Politisierung und der Wichtigkeit von Reflektion rappt. Smash the greyzone!

Bei euren Gigs gibt es Frauen nur als Quote Dumpf ist der Inhalt und grau ist die Zone

Ja, und du bist einer dieser Idioten

Ich hab extra für dich ein paar politische Strophen

  • Mit Tintenspucker feat. Phurioso folgt nun der „Quotengraffititrack“, der ja bisher irgendwie auf jedem Album zu finden war. Genau so auf jedem Mauser-Soloalbum war Featuregast Phurioso. Mit dem Thema hab ich nichts zu tun, konnte den bisherigen Tracks daher auch nicht viel abgewinnen. Diesmal ist das aber das anders, was an super Beat von Sublimbeats und megafettem Flow von Mister Phu liegt.
  • In the club ist dann der typische Clubsong, der sich im Zeckenrapkontext zum Glück von anderen Mainstreamsongs abgrenzt. So sollte eine jede Party nämlich ohne Macker und Sexisten gefeiert werden, denn „Nein heißt nein, digga du kannst jetzt gehen“
  • Auf Mauser macht Krach philosophiert Johnny Mauser, dass er im Suff einen Peterwagen kapert, sich eine Verfolgungsjagd mit den Besitzern ebendessen liefert, und den Wagen am Ende vor der Roten Flora parkt. Nicht ganz realistisch, aber ganz lustig… Schade find ich, dass Herr Mauser weiter den Ausdruck ACAB nutzt, den ich allerspätestens seit Fabian Boll für sinnfrei und veraltet halte.
  • Der Bonustrack Augen brennen ist ein weiteres Highlight zum Ende der Platte. Mauser kopiert den Deine Elstern-Hit „Augen zu“ neu und nutzt dabei teilweise sogar teilweise Textstrukturen des Originalsongs. Während Kobito und Sookee über ihre Müdigkeit nach langen Tagen und Nächten rappten, nutzt Johnny den Beat, um von Polizeigewalt zu berichten. 

Alles in allem ein sehr schönes Album, dass ich nur weiterempfehlen kann. Viel verändert hat sich musikalisch nicht, das ist aber auch ok, denn die Musik war schon immer super und Johnny nutzt dieses Album nun, seine Meinung zu aktuellen politischen Themen zu verbreiten. Dabei gibt es einen schönen Mix mit melancholischen und persönlichen Songs, die auch nicht zu kurz kommen. Die Beats fand ich sogar noch nen Tick besser als auf den Vorgängeralben. Einzig zu kritisieren sind aus meiner Sicht, die Reime, die teilweise nicht wirklich vorhanden bzw. recht abenteuerlich.

Kauft das Album! [Auf Johnny Mausers Facebookseite gab es in den letzten Tagen einige negativ gesinnte Kommentare von Leuten, die sich auf alte Songs bezogen, in denen die Rede von „Gratismukke aus deinem Browser“ war. Klar ist es immer ungeil, Geld zu bezahlen, aber da sollte man auch mal realistisch sein und sehen, dass (mittlerweile) sehr professionelle Musik auch einiges an Geld kostet.]

Bei iTunes kaufen oder bei Audiolith kaufen. Den Spaß gibts auch auf Vinyl. Alles weitere gibts auf http://www.johnnymauser.com/.

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